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Argonauten und das Goldene Vlies

Medea und das goldene Vlies
Medea Skulptur in Batumi, Foto: Anne Witte

"Der König des goldreichen Kolchis, Aietes, wurde vom allmächtigen Schicksal, das die Götter bestimmen, hier ins Totenreich überführt."

Altgriech. EPITAPH, 4. Jh. v. Chr


Jason und das Goldene Vlies

Eine der ältesten griechischen Mythen handelt von der Fahrt der Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies und von der Liebesgeschichte zwischen dem griechischen Helden Jason und der kolchischen Königstochter Medea.  

Medea – aus ihrem Namen stammt das Wort Medizin – war die Tochter des Kolcherkönigs Ajetes. Er galt als direkter Nachfahre des Sonnengottes Helios, unter dessen Schutz er die lichtdurchfluteten Ebenen im Süden des Kaukasus beherrschte.

Der Argonautenmythos ist die erste umfassende Erzählung, die in Europa vom alten Kulturreich Kolchis im Westen des heutigen Georgiens berichtet. Als Argonauten werden diejenigen Helden bezeichnet, die auf dem Schiff Argo von Iolkos nach Kolchis gefahren sind, um das Goldene Vlies zu erobern.


Argonauten griechische Mythologie

Der böothischen König Athamas hatte von seiner Frau Nephele genug. Darum nahm er sich Ino, die Tochter des Kadmos, als neue Frau. Ino hasste ihre Stiefkinder, Helle und Phrixos, den Thronanwärter, da sie einen eigenen Sohn haben wollte, der das königliche Erbe antreten sollte.

Nephele merkte, dass ihre Kinder in Gefahr schwebten und erbat die Hilfe der Götter, worauf Hermes den goldenen Widder Chrysomeles zu ihr sandte. Der Widder nahm die Kinder auf seinen Rücken und trug sie fort. Er stieg in die Luft und flog nach Osten. Als er die Meerenge überquerte, die Europa und Asien trennt, rutschte Helle von seinem Rücken und fiel ins Wasser, das nach ihr Hellespont (Meer der Helle) benannt wurde.

Der Widder setzte Phrixos sicher in Kolchis ab, der dort gastlich aufgenommen wird. Aus Dankbarkeit, dass die Götter sein Leben bewahrt hatten, opferte man Chrysomeles im Tempel des Zeus. Aietes erhielt das wertvolle Goldene Vlies, hängte es im heiligen Hain des Gottes Ares auf und ließ es von einem riesigen Drachen bewachen, der niemals schlief.


Jason aus Griechenland

Jasons Geschichte beginnt in Griechenland, als Jasons Vater Aison, der König von Iolkos, von seinem Bruder Pelias vertrieben wird. Um den Sohn zu retten, bringt Aison ihn in die Wildnis zum Kentauren Chiron. Unter dessen Erziehung herangewachsen, kehrt Jason als junger Mann nach Iolkos zurück und fordert das Erbe seines Vaters zurück.

Mit der Begründung, er solle sich erst den angemessenen Heldenrang erwerben, schickt ihn sein Onkel Pelias nach Kolchis, um von dort das Goldene Vlies zu holen.

Im Hafen von Iolkos wird ein gewaltiges Schiff mit fünfzig Ruderplätzen gebaut und auf den Namen "Argo - die Schnelle" getauft.


Die Argonauten

Da die Argonautenfahrt eine Generation vor dem Trojanischen Krieg stattgefunden haben soll, gehören zu Jasons Begleitern alle bedeutenden griechischen Helden, die älter als die Trojakämpfer sind, so u. a. der Sänger Orpheus, Herakles, Telamon (Vater des Ajax), Peleus (Vater des Achilleus), Laertes (Vater des Odysseus) und Theseus, der Besieger des Minotaurus.

Nach abenteuerlicher Fahrt über das Schwarze Meer erreichen die Argonauten das gepriesene Wunderland Kolchis und treten staunend in die von Weinreben umrankte Hauptstadt Aja ein, wo sie von König Aietes gastfreundlich aufgenommen werden.


Jason und Medea

Als Jason das goldene Vlies verlangt, stellt ihm Aietes zwei Aufgaben: erst muss Jason, zwei feuerschnaubende Stiere mit ehernen Hufen vor einen Pflug spannen und mit ihnen den Acker pflügen, anschließend soll er in die Furchen Drachenzähne säen und gegen die daraus entstehenden, eisengepanzerten Männer kämpfen.

Medea, die Tochter des Aietes, verliebt sich in den griechischen Prinzen und beschließt, ihm zu helfen. Sie schickt ihm eine wundersame Salbe, die ihn gegen den giftigen Feueratem der Stiere schützt, wodurch der Held die erste Prüfung unbeschadet übersteht. Unter die eisernen Männer der Drachensaat wirft Jason auf Medeas Rat hin einen Stein, woraufhin sie zornig die Waffen gegeneinander wenden und einzeln Jason zum Opfer fallen.


Der Raub des Goldenen Vlieses

Als Aietes trotz erfüllter Aufgaben das Goldene Vlies nicht herausgeben will, schleicht sich Jason um Mitternacht in den heiligen Hain und entwendet das Vlies, indem er dessen Wächter, einen hundertäugigen Drachen, wiederum mit Hilfe eines Zaubermittels von Medea, einschläfert. Als die Argonauten mit dem kostbaren Raub davon segeln, fährt Medea mit.

Viele Jahre später nimmt die Liebesgeschichte jedoch ein tragisches Ende, als Jason zurück in seiner Heimat die korinthische Königstochter ehelicht und Medea in namenlosem Zorn die Frucht ihrer gemeinsamen Beziehung - die eigenen Kinder - ermordet haben soll.

Im Ende ihrer schicksalsvollen Reise, heißt es, der Sonnengott Helios persönlich habe seine Enkeltochter Medea, um sie vor der Rache der Korinther zu schützen, auf seinem Wagen in den Götterhimmel entführt.


>> mehr Literatur zum Goldenen Vlies


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Kolchis - Georgien

vorchristliches Königreich im Westen Georgiens

Bereits in assyrischen Texten aus dem 12. Jh. v. Chr. wird ein Staatsgebilde Kilchi (urartäischen Quellen zufolge: Kulcha, später griechisch: Kolcha) erwähnt. Im 8. Jahrhundert v. Chr. soll hier der erste große Zusammenschluss kartwelischer (georgischer) Stämme auf dem Territoriums des südwestlichen Georgiens stattgefunden haben.

In dieser Zeit wird in der griechischen Literatur zum ersten Mal die ethnisch-politische Bezeichnung Kolchis beim Epiker Eumemos von Korinth genannt. Der antike griechische Schriftsteller Euripides hat in seinem Werk Medeia die Geschichte der Argonautenfahrt erstmals künstlerisch ausgeführt.  

Zahlreiche andere griechische und römische Quellen (Herodot, Strabo, Aristoteles, Plinius u.a.) machen konkrete Angaben über den mächtigen Staat Kolchis im Westen Georgiens und beschreiben ausgebaute Straßen, mit Ziegeln gedeckte Häuser, große Städte und Festungen der kolchischen Hauptstadt "Aja" (heute Kutaissi). Aus dem 6. Jh. v. Chr. stammen landeseigene Münzen: der kolchische Tetri.

Griechische Handelskolonien entstanden an der Schwarzmeerküste im Westen des Landes: Dioskurias (Suchumi), Phasis (Poti) und Pithiunt (Pizunda). Der rege Handel ermöglichte einen intensiven Kulturaustausch. Über das Schwarze Meer war Georgien bis zum Fall von Konstantinopel (1453) mit Europa verbunden.


Medea und Medizin

Medea und das goldene Vlies
Medea Gemälde von Anselm Feuerbach 1829-1880

Der zweite Teil des Argonautenmythos schildert den Aufenthalt und das heil- und zauberkundige Wirken Medeas in Griechenland. Etwa hundert Jahre nach Medeas Ankunft, taucht in altgriechischen Texten erstmals der Begriff "Medizin" auf (Prof. Waleri Krikow) mit der Bedeutung Heilung oder Behandlung, anfangs noch tendenziell negativ belegt, da die Meinung herrschte, Medea als Fremde hätte Gifte und Betäubungsmittel gemischt.

Im Jahr 1792 erschien in Halle der erste Band einer ersten umfassenden Geschichte der Weltmedizin, erforscht und systematisch erfasst vom deutschen Botaniker und Mediziner Professor Kurt Joachim Polikarp Sprengel (1766-1833).

Das fünfbändige Werk beginnt mit der Beschreibung der uralten kolchischen Medizin auf Grundlage von Quellenangaben der "Argonautika" und anderen antiken Texten.

Prof. Polikarp Sprengel, der seinerzeit gemeinsam mit Goethe geforscht hat, betont darin vor allem die Existenz eines Heilkräutergartens, den sogenannten "Hekate-Garten" in der kolchischen Tiefebene, wo im 14.-13. Jh. v. Chr. etwa 40 Heilpflanzen angebaut worden sein sollen (vergl. Dr. Sokrat Salukwadse "Deutsche Förderer der georgischen Medizin", Mitteilungsblatt der Berliner georgischen Gesellschaft Nov / Dez 00, Nr. 82, S. 10).


Goldenes Vlies Bedeutung

Der Mythos vom Goldenen Vlies gab Anlass zu zahllosen Interpretationen. Gemeinsam ist allen die Vorstellung, dass mit ihm außergewöhnlicher Reichtum verbunden gewesen sein muss, materieller oder spiritueller Natur.

Unter den metaphysischen Deutungsansätzen geben besonders die vergleichenden Untersuchungen des Ägyptologen Frank Teichmann Aufschluss, der zahlreiche auffällige Parallelen u.a. der Hauptsymbole: "Widder", "Doppelstier" und "Drachen", zum altägyptischen Sonnenkult aufzeigt (s. Der Gral im Osten).

Daraus ergibt sich die Vorstellung von der Argonautenfahrt als eine Art okkulten Einweihungsritus des westlichen Kulturrepräsentanten Jason in das esoterische Wissen des Ostens.

Vor diesem Hintergrund steht das Goldene Vlies als Symbol für die durch das Denken gereinigte Seele und sein Raub für einen spirituellen Weisheitstransfer, der die griechische Kultur nachhaltig beeinflusst haben soll.

Dem gegenüber steht die eher pragmatische Auslegung vom realen Goldreichtum Georgiens, wo nachweislich seit Jahrtausenden mittels dichter Schafvliese Gold aus den reißenden Gebirgsflüssen gewonnen wurde.


>> Goldgewinnung in Georgien

>> Kultur und Wanderreise Georgien "auf den Spuren der Argonauten"

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Literatur zum Goldenen Vlies

Bücher über die Argonauten, Jason und Medea

Argonautica

Apollonius Rhodius
3. Jh. v. Chr.
Griechisch/Englisch
Oxford Univ Pr, 1986
292 Seiten

>> mehr Infos

Die Sage vom Goldenen Vlies

Auguste Lechner
Abenteuerroman
Arena Verlag, 1993
176 Seiten

>> antiquarisch

Die Fahrt der Argonauten

Apollonios von Rhodos Griechisch/Deutsch
Verserzählung
Reclam Verlag, 2002
552 Seiten

>> mehr Infos

Medea

Euripides 5. Jh. v. Chr
Griechisch/Deutsch
Griechische Tragödie
Reclam Verlag, 1986
176 Seiten


>> mehr Infos

Das goldene Vließ

Franz Grillparzer
Dramatisches Gedicht
Reclam Verlag, 1995
280 Seiten

>> mehr Infos

Medea Stimmen

Christa Wolf
sehr schöner Roman
dtv Verlag, 1998
Drama, 224 Seiten

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Bücher zu Kunst- und Kulturgeschichte

Unterwegs zum goldenen Vlies

Andrei Miron,
Winfried Orthmann

Archäologische Funde
Saarbrücken, 1995
344 Seiten

>> antiquarisch

Der Gral im Osten

Motive aus der Geistgeschichte Armeniens und Georgiens
Frank Teichmann
Freies Geistesleben, 1986, 234 Seiten

>> antiquarisch


>> weiter zu Georgien Bilder

>> Prometheus und der Kaukasus

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Literatur Georgische Sagen und Legenden:

Der Sieg von Bachtrioni

Arthur Leist Hrsg.
Georgische Sagen
Kiepenheuer Verlag, 1984
328 Seiten

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Das Leben Kartlis

Eine Chronik aus Georgien
300-1200 n. Chr.
Gertrud Pätsch Hrsg.
Verlag Dieterich, 1985
72 Seiten

>> antiquarisch


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