Nationalparks und Schutzgebiete in Georgien

Vogelbeobachtung Georgien
Silberreiher in der Region Samzche-Dschawachetien, Foto: Sven Müller

Der Bordschomi-Charagauli Nationalpark liegt im Kleinen Kaukasus und ist mit 85.000 Hektar das größte Naturschutzgebiet in Georgien. Von April bis Oktober kann man in Begleitung eines ortskundigen Führers Wanderungen verschiedener Schwierigkeitsgrade unternehmen. Es leben hier zahlreiche bedrohte Tierarten u.a. Gämse, Luchse, Wölfe und Braunbären.

Mit finanzieller Unterstützung von Deutschland und des World Wide Fund of Nature (WWF) wurde der Park mit verschiedenen Rangerhütten und insgesamt neun markierten Wanderrouten ausgestattet. Sie ermöglichen Wanderungen zwischen einem und fünf Tagen und verlaufen auf Höhen zwischen 800 und 2.642 Metern. Eine beliebte Route ist der Pfad Zar Nikolaus II., der so genannte "Romanov Weg" einst der Lieblingsweg des russischen Zaren, der im nahegelegenen Kurort Likani seine Sommerresidenz hatte.

Nationalpark Waschlowani

Der 1935 gegründete Waschlowani Nationalpark ist ein streng geschütztes Gebiet und befindet sich im äußersten Südosten Georgiens an der Grenze zu Aserbaidschan. Er leigt 50-150 Meter über dem Meeresspiegel und zeichnet sich durch sehr trockenes Klima und eigenwillige Felsformationen aus.

Eine Besonderheit sind die wilden Pistazienwälder, die während der Blüte aussehen wie Apfelbäume und vermutlich dem Gebiet seinen Namen gegeben haben: Waschlowani, der Apfelgarten.

Außer den seltenen Pistazien Bäumen (Pistacea mutic) finden sich hier die wilde Pfingstrose (Paeonia maiko), sieben verschiedene Orchideen Arten, die Georgische Iris (Iris iberica) und die Eichlers Tulpe (Tulipa eichler). Zu den insgesamt 46 hier lebenden Säugetierarten zählen Rotfüchse, Wölfe, Braunbären, Stacheschweine, Goldschakale und vermutlich der seltene  Leopard.

Für Vogelliebhaber ist das Waschlowani Reservat ein Paradies, u. a. nisten hier der Kaiseradler (Aquila heliaca), Mönchsgeier ( Aegypius monachus), Gänsegeier (Gyps fulvus), Rohrweihe (Circus aeroginosus), Fasane (Phasianus colchicus) und der Halsbandfrankolin (Francolinus francolinus). Berühmt ist die sogenannte "Schwalbenstadt" eine Felswand, an der große Kolonien von Schwalben nisten.

Die trockene Landschaft bietet Lebensraum für 25 Reptilienarten, darunter die griechische Landschildkröte (Testudo graeca), die europäische Sandboa, Boa constrictor und levantinische Viper.

Sataplia Naturpark

Etwa 7 km nordwestlich von Kutaisi liegt das Naturschutzgebiet Sataplia ("Honig-Platz"), ein wunderschönes Waldgebiet benannt nach dem Sataplia Berg, einem erloschenen Vulkan. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Kolchische Ebene und auf Kutaisi. In den Vulkanberg führt eine große Tropfsteinhöhle, die inzwischen erschlossen und für Touristen zugänglich ist. Im versteinerten Schlamm kann man sogar noch Spuren von Ur-Echsen erkennen, Dinosauriern, die hier vor Millionen von Jahren, als die Rioni Ebene noch eine Meeresbucht war, vorübergezogen sind. Weltweit einzigartig ist, dass es sich dabei um zwei verschiedene Saurierarten handelt. Um eine 65 Mio Jahre alte pflanzenfressende und eine 145 Mio Jahre alte freischfressende Art.

Von den siebzig hier vorkommenden immergrünen Baumarten stehen zehn im Roten Buch der bedrohten Arten Georgiens. Und es finden sich hier 500 verschiedene Gräser und Kräuter.

Etwa 30 km entfernt liegt die Prometheus Höhle, eine spektakulär ausgeleuchtete Tropfsteinhöhle, die teilweise mit Booten befahren werden kann.

Lagodechi Schutzgebiet

Die Lagodechi-Schutzgebiete befinden sich an den Südhängen des Hauptkamms des Großen Kaukasus. Es ist von feuchtem subtropischem Klima und durchzogen von vielen Quellen und Wasserfällen eines der wasserreichsten Gebiete Georgiens. Es gibt hier Erlen Wälder, Olivenhaine und den kaukasischen Rhododendron (Rhododendron caucasica). 121 Pflanzenarten sind Kaukasus Endemiten, 9 Arten sind auch für Georgien endemisch. Berühmt ist der Lagodechi Nationalpark für seine Buchen und Hainbuchen Urwälder.

Unter den kaukasischen endemische Vogelarten ist im Lagodechi Reservat das Kaukasische Birkhuhn (Tetrao mlokosiewiczi) und Europäische Schneehuhn (Tetraogalus caucasicus) verbreitet.

Für Kulturinteressierte sind zahlreiche vorchristliche Ruinen interessant. Bedeutende Funde aus der Bronzezeit wurden auf dem Gebiet des Dorfes Ulianovka gemacht. Einige Denkmäler aus dem frühen Mittelalter wurden in Lagodechi und Umgebung entdeckt.

Tuschetien Nationalpark

Der Tusheti Nationalpark liegt im Ostkaukasus auf einer Höhe von 900-4.800m und ist einer der höchsten und größten Nationalparks Europas.

280km von Tbilisi entfernt umfasst er die seit 1981 geschützten Gebiete: Tusheti National Park (83453 ha), das Tuschetien Naturschutzgebiet (27903 ha), und das Staatliche Naturreservat Tuschetien (10694 ha).

Eine Besonderheit sind die Pinienwälder (Pinus sosnovkji) und Birkenwälder (Betula litvinovii, B. raddeana), die Lebensraum für seltene und fast ausgestorbene Tierarten schaffen, u.a. Wilde Ziege, Bergziege, Gämsen, Wölfe, Luchse, Bären, Bartgeier, Falken, Steinadler. Auch lebt hier der Anatolische Leopard (Panthera Pardus).