Fünf Buchtipps aus Georgien

Neuerscheinungen georgischer Autoren

Die georgische Literatur hat eine 1500 jährige Geschichte und ist trotzdem in Europa weitgehend unbekannt. Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse gab es wieder zahlreiche Neuerscheinungen in deutscher Übersetzung. Rachel Gratzfeld, Vermittlerin und Expertin für Georgische Literatur, stellt uns hier fünf empfehlenswerte Bücher vor. Lassen Sie sich überraschen!

ABO IASCHAGHASCHWILI

Royal Mary - Ein Mord in Tiflis

Roman
Aus dem Georgischen von Lia Wittek
120 Seiten, Broschiert mit Schutzumschlag (auch als e-book erhältlich)
ISBN 978-3-940524-60-7
16,80 € (D) | 17,25 € (A) | 18,25 € (CH)
© edition fototapeta, 2017

Tiflis Ende des 19. Jahrhunderts: Die Stadt an der Kura ist ein Schmelztiegel der Kulturen; hier treffen die Interessen der Weltmächte aufeinander, umkreisen sich deutsche, englische und österreichische Spione. Royal Mary ist das beste Rennpferd der Stadt und soll dem persischen Schah geschenkt werden. Doch dann wird das Pferd gestohlen und die Stadt von einer Mordserie erschüttert.

Mit Witz und Virtuosität beschwört Abo Iaschaghaschwili die Atmosphäre des alten Tiflis, seine georgischen, armenischen, russischen und jüdischen Bewohner, seine Gäste, Plätze, Kaschemmen und Gerüche. "Royal Mary" verbindet Krimi und Roman, Politik und Poesie, Fiktion und Realismus.

Das Werk ist Teil eines Zyklus farbig-exotischer, historischer Kriminalromane, die atmosphärisch an Boris Akunin erinnern.

Cover Wer hat die Tschaika getötet
ANNA KORDSAIA-SAMADASCHWILI

Wer hat die Tschaika getötet

Roman
Aus dem Georgischen von Sybilla Heinze
170 Seiten, Broschiert
ISBN 978-3-899300-29-1
16,80 €
© Verlag Hans Schiler, 2016

An einem Sommersonntagmorgen führt Teso seinen Hund und seine kleine Tochter Lisiko spazieren. Lisiko guckt durch das Fenster eines baufälligen Hauses und sieht dort eine tote Frau liegen. Mit einem Bügeleisen erschlagen. Die Polizeiermittler sind überfordert. Sie werden von den Verdächtigen, den Freunden der Ermordeten, nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt, so wie auch der Leser. Die Freunde wissen, wer sie umbrachte, geben aber nichts preis. Warum, erschließt sich nach und nach aus den vielen Geschichten, die sich die Freunde, eine bunte, unkonventionelle, ja grelle Schar, über die Tote und sich selbst erzählen.

Ein dichter und sehr raffiniert erzählter Roman. Das Kriminalelement ist ein Kniff für das äußerst spannende Enthüllen eines Panoramas ungewöhnlicher Lebensgeschichten und Figuren, ein Plädoyer für die Möglichkeit verschiedenster Lebensentwürfe und für Toleranz und Zusammenhalt.

Cover Ich kann nicht Schlafen
TATIA NADAREISCHWILI

Schlaf gut - Ein Bilderbuch aus Georgien

Zweisprachig Deutsch-Georgisch
Aus dem Georgischen von Rachel Gratzfeld
Originalausgabe
23 Seiten, gebunden 23 x27,5 cm
ISBN 978-3-905804-78-2
16,50 € (D) | 17,00 € (A) | 21,80 € (CH)
© Baobab Books, 2017

Der Junge im Karopyjama kann nicht einschlafen. So geht er noch ein bisschen spazieren und trifft unterwegs die unterschiedlichsten Tiere. Jedes hat eine eigene unfehlbare Methode zum Einschlafen …

Die georgische Illustratorin Tatia Nadareischwili hat das Schlafverhalten der Tiere genau beobachtet und greift in dieser Gutenachtgeschichte die kindliche Freude an der Nachahmung und Wiederholung mit offensichtlichem Vergnügen auf.

Beitrag rbb Kulturradio April 2017

Cover Der Literaturexpress
LASHA BUGADZE

Der Literaturexpress

Roman
Aus dem Georgischen von Nino Haratischwili
320 Seiten, schön gebunden
978-3-627-00223-7
24,00 € (D) | 24,70 € (A)
© Frankfurter Verlagsanstalt, 2016

Eine Gruppe mäßig erfolgreicher Autoren verschiedener Nationalitäten reist zusammen quer durch Europa zu einem literarischen Event. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, außer dem Erzähler Sasa, der sich Hals über Kopf in Helena, die Frau seines polnischen Übersetzers verliebt. Er tut sich jedoch ebenso schwer mit der Liebe wie damit, ein berühmter Autor zu werden.

Ein großes Lesevergnügen. Der Reiz des Romans liegt darin, ob Sasa Helena kriegt oder nicht. Und das ist sehr spannend erzählt. Dazu kommt die satirische Reflexion des Literaturbetriebs, des literarischen Markts der Eitelkeiten, die Frage danach, für wen ein Autor schreibt, schreiben will, die Frage nach der Quelle der Kreativität, nach der literarischen Qualität.

Cover Das fürstliche Leben des Kwatschi K.
MICHEIL DSCHAWACHISCHWILI

Das fürstliche Leben des Kwatschi K.

Ein Gaunerroman

Roman
Aus dem Georgischen von Kristiane Lichtenfeld
472 Seiten, gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-86557-707-7
29,90 €
© NORA Verlagsgemeinschaft, 2016

Dieser pikareske Epochen-Roman, 1924 entstanden – drei Jahre nach Georgiens gewaltsamem Anschluss an Sowjetrussland –, atmet bis heute dank klarer, unbestechlicher Weltsicht und sprühenden Einfallsreichtums seine ursprüngliche Frische.

Der Anti-Held Kwatschi Kwatschantiradse ist eine der literarischen Lieblingsfiguren der Georgier. Ausgestattet mit unwiderstehlichem südländischen Charme, einem falschen Adelsbrief sowie der Gabe, sich Menschen und Umstände weidlich nutzbar zu machen, gelangt der aus tiefer Provinz stammende Frauenheld, gewiefte Betrüger, Versicherungsschwindler, Bankräuber, Geschäftemacher, Liebhaber eines verschwenderischen Lebensstils dank seiner Hochstapelei bis an den Sankt Petersburger Zarenhof, wo er sich das Vertrauen des einflussreichen Popen Rasputin erschleicht und vom Zaren selbst den russischen Fürstentitel erhält.

Mit seiner verschworenen Freundes-Clique bereist Kwatschi Westeuropa, erschließt sich in Wien, Paris, London, Rom neue Profitquellen und schwelgt in schillernden Amouren. Im Weltkrieg und während der im maroden Russland dicht aufeinander folgenden Revolutionen wechselt er chamäleonartig Farben, Fronten, Parolen und Parteien und weiß jeweils seinen Schnitt zu machen. Bis ihm eines Tages der Boden zu heiß wird im Sowjetland und er es vorzieht, seine Gaunerlaufbahn in einem türkischen Bordell zu vollenden.

Literarische Paten sind sowohl Gogol wie Balzac. Dschawachischwili bedient sich dieser Anregungen virtuos und setzt seinen Kwatschi K., den kaukasischen Vorläufer eines Felix Krull, spannend, farbig und tiefsinnig in Szene.

Micheïl Dschawachischwili (1880-1937, ermordet im Zuge der stalinistischen Säuberungen), gilt mit seinen Romanen und Erzählungen als einer der Begründer moderner georgischer Prosa.

Georgien ist Gastland an der Frankfurter Buchmesse 2018

Am 27. Februar 2014 wurden in Berlin die Verträge für den Ehrengastauftritt Georgiens auf der Frankfurter Buchmesse 2018 unterzeichnet. Neben dem jungen Buchmarkt mache die Energie im gesamten Kulturbereich wie Film und Musik das Land interessant, begründete die Frankfurter Buchmesse die Auswahl.

Mehr Informationen über Die georgische Literatur | Die georgische Schrift und Sprache

Aktuelle Infos zur georgischen Literatur: Webseite von Rachel Gratzfeld

 

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