Kaukasus Teppiche und ihre Geschichte | Besuch in der Oriental-Carpet-Gallery

Und alles ging hier friedlich zu, keiner hatte Eile. Die Ruhe des Morgenlandes lag über den Menschen. In den Buden gibt es meist Seidenstoffe, gestickte Waren, Teppiche, Waffen, Schmuck. Man kann hier gern alles ansehen, ohne etwas zu erstehen, aber wird etwas aus dem Kauf, ist es auch so gut, diese Kaufleute bewahren bei allem eine gesegnete Ruhe. [...] in den Teppichbuden liegen kostbare Teppiche auf dem Boden, in der Tür, die Stufen hinab und über die Straße bis zum Nachbarhause hin. Kostbare persischen und kaukasische Teppiche.

Knut Hamsun, "Im Märchenland. Erlebtes und Geträumtes aus Kaukasien", 1924

In Tbilissi gibt es mehrere Teppichhändler, die sowohl neue als auch ältere Kaukasusteppiche verkaufen. Ein ganz besonderer Laden ist die Oriental-Carpet Galerie in der Sioni Straße. Die Inhaberin Manana ist Expertin für Orientteppiche, in ihrem Lager hat sie mehr als 20.000 Teppiche, nur ein kleiner Teil von ihnen ist im Laden zu besichtigen.

Die Verkaufsräume befinden sich in einer ehemaligen Karawanserei, wo im 18. und 19. Jahrhundert mit Teppichen beladene Kamelkarawanen auf ihren Reisen aus Asien in Richtung Schwarzes Meer rasteten. Einer der Räume der Galerie war ursprünglich zur Unterbringung der Kamele vorgesehen. Der zweite war eine Taverne, in welcher Händler am Boden sitzend Teppiche kauften und verkauften. Die dreihundert Jahre alten Gemäuer der Karawanserei sind bis heute ein stimmungsvoller Ort geblieben.

Man findet hier unterschiedlichste kaukasische Teppiche aus Aserbaidschan, Iran, Osttürkei, aber auch typisch georgische Teppiche z.B. aus Tuschetien, Kachetien und dem von Kisten bewohnten Pankissital.

Selbst wenn man keinen Teppich erstehen möchte, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Manana spricht sehr gut englisch und erzählt mit großer Leidenschaft von ihren Teppichen und deren Herkunft.

Wir haben Manana einen Besuch abgestattet und tauchten für mehrere Stunden in die geheimnsivolle Welt der Knoten und Muster ein, während uns die Mitarbeiter - gleich einem prächtigen Bilderbuch - Teppich auf Teppich entrollten: Jeder Teppich ein eigener Kosmos, ein Komplex aus unzähligen gehüteten Geheimnissen, von der Auswahl der Wolle, der Herstellung der Plflanzenfarben bis hin zur speziellen Knüpfart der Knoten. Jeder Teppich das Ergebnis monatelanger, oft jahrelanger Arbeit, jeder Teppich ein Unikat.

Dem Kaukasus Teppich auf der Spur

Tbilissi war im 18. Jahrhundert ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum. Das Teppich-Handwerk sowohl im Orient als auch im gesamten Kaukasus erlebte seinen Höhepunkt und größte Vielfalt. Jede Familie war im Besitz mindestens eines Kaukasus Teppich. Je nach Vermögen und Stand gab es die unterschiedlichsten Ausführungen, von einfachen Webteppichen (Kilim), zu Webteppichen mit Strickelementen (Sumach) bis hin zu unterschiedlich aufwändig gearbeiteten Knüpfteppichen. Die edelste Variante besteht aus reiner Seide mit eingearbeiteten Fäden aus echtem Silber oder Gold.

Teppiche aus dem Kaukasus

Teppichhändler in Tbilissi im 19. Jahrhundert © Oriental-Carpet Gallery

Die in der Kaukasusregion gefertigten Knüpfteppiche werden unter der Bezeichnung "Kasak" zusammengefasst. Ein typischer Kasak ist aus handgesponnenem Wollgarn für Kette, Schuss und Flor gefertigt. Es herrschen klare, kräftige Naturfarben vor. Wegen der guten Wollqualität und der dichten Knoten sind die Teppiche verschleißfest und haben einen guten Ruf.

Georgien war kein eigentliches Zentrum der professionellen Teppichknüpfkunst, aber aufgrund der intensiven Schafzucht war das Teppichhandwerk in Ostgeorgien, besonders in den Bergregionen weitverbreitet.

Besonders individuell und vielfältig in der Wahl der Ornamente sind die Webteppiche aus den Bergregionen Tuschetien und Chewsuretien.

 

Tbilissi im 19. Jahrhundert

Die Hauptstadt Tbilissi aber - an einem Zweig der Seidenstraße gelegen - war eines der wichtigsten Zentren des Teppichhandels. Aus Iran, Aserbaidschan und Armenien kamen die Teppichhändler in die Hauptstadt und verkauften ihre Teppiche weiter an Händler aus der Türkei und Europa.

Aber auch, wenn die Georgier selbst keine Teppichknüpfernation waren, so entstanden doch in den Randregionen des Landes, in dem Gebiet Lore und Bortschalo bedeutende und berühmte Teppichwerkstätten, die mit dem gesammelten Wissen der gesamten Region Teppiche für den Export produzierten.

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