Unabhängigkeit Georgiens seit 1991

Entwurf der alten georgischen Flagge 1918
Georgische Flagge von 1918, wurde nach Erlangung der Unabhängigkeit bis 2004 wieder eingeführt

Die wiedererlangte Unabhängigkeit

Georgien erklärte am 9. April 1991 seinen Austritt aus der Sowjetunion. Nur Litauen kam Georgien zuvor. Als erstes Land hat Deutschland die Unabhängigkeit Georgiens anerkannt und eine Botschaft in Georgien eingerichtet.

Erster Präsident Swiad Gamsachurdia

Erster Präsident wurde Swiad Gamsachurdia. Sein Vater, der Nationaldichter Konstantin Gamsachurdia gehörte zu einer Gruppe georgischer Revolutionäre, den so genannten Spree-Daleulebi (aus der Spree getrunken), die u.a. an der Friedrich Humboldt Universität in Berlin studiert hatten.

Gamsachurdia scheiterte jedoch an seinem Unvermögen, politische Prozesse rechtzeitig zu erkennen und zu steuern, die patriotisch begründeten Unabhängigkeit artete in einen verheerenden Nationalismus aus. Georgien versank im Bürgerkrieg rivalisierender Parteien und mafioser Clans.

Präsident Eduard Schewardnadse

Sein Nachfolger wurde der frühere georgische KP-Chef und sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse. Er leitete weitere demokratische Reformen ein und nutzte die geopolitische Lage Georgiens, um als Partner der USA und Westeuropas unabhängiger von Russland zu werden.

Schewardnadse unterschrieb eine strategische Partnerschaft mit der NATO, und erklärte den Wunsch, sowohl der NATO wie der Europäischen Union beitreten zu wollen. Am 27. April 1999 wurde Georgien als erster Südkaukasusstaat Mitglied des Europarats, 2000 trat es der Welthandelsorganisation (WTO) bei.

Schewardnadse sicherte 1999 seinem Land das drei Milliarden Dollar schwere Investitionsprojekt einer Ölpipeline von Aserbaidschan in die Türkei, die so genannte Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) und damit wieder eine geopolitisch bedeutsame Schlüsselposition.

Wachsende Spannungen mit Russland

Die engen Beziehungen mit Europa und zu den USA führte zu Spannungen mit Russland, das Georgien nach wie vor als sein Einflussgebiet betrachtete.
Russland nutzte die ihm zugewandten Sezessionsgebiete Abchasien, Südossetien und Adscharien um seinen Druck auf Georgien beliebig zu verstärken.

Parallel dazu stiegen Korruption und Einfluss der georgischen Mafia bis auf Regierungsebene an. "Transparency International" zählte Georgien zu den zehn korruptesten Ländern der Welt* und 2003 stellte der Internationale Währungsfond seine Unterstützung ein.

 

*Aktuell steht Georgien weltweit auf Platz 44, nur einen Platz hinter Spanien und damit vor Italien (60), Griechenland (69), der Türkei (79), Armenien (113), Aserbaidschan (123) und Russland (131).  Corruption Perceptions Index 2016.