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Georgischer Tee

Georgischer Tee - Plantage in Gurien
Teeplantage in Gurien

Grusinischer Tee - darin ist der Duft des Himmels und der Erde.
Grusinischer Tee - der gibt dir die Kraft des Windes und der Pferde.

Ostdeutscher Popsong aus den 70ern | Youtube

Georgien ist das älteste teeproduzierende Land in Europa. Man nannte ihn "Grusinischen Tee", nach "Grusien" oder "Grusinien" (russ. Grusija), der russischen Bezeichnung für Georgien. Während Russland als das Land der Teetrinker galt, hatte der sogenannte "Russische Tee" sein eigentliches Anbaugebiet in Georgien.

Tee Anbaugebiete in Westgeorgien

Alte Teedose für Grusinischen Tee

In den westgeorgischen Regionen Adscharien, Gurien und Samegrelo ist das Klima feucht und subtropisch und daher ideal für den Teeanbau. Es ist im Sommer sowie im Winter warm und die Nächte sind aufgrund der Höhenlage relativ kalt, wodurch der Teeanbau ohne Pestizide (!) auskommt.

Die Kombination aus kühlem Klima und saurem Boden verleiht dem georgischen Tee eine einzigartige chemische Zusammensetzung, die besonders für grünen Tee geeignet ist: Unter diesen Bedingungen reifen die Teeblätter langsamer und verlieren jegliche Bitterkeit im Nachgeschmack.

Die Geschichte des Georgischen Tees

Bereits im 16. Jahrhundert wurde Tee über die Seidenstraße nach Europa transportiert und war vor allem in Russland sehr geschätzt. Doch der Transport war aufwändig und teuer.

Daher suchte der russische Zar nach einer Alternative. 1820 brachte der georgische Prinz Mamia V Gurieli erstmals Teepflanzen und Samen aus China nach Georgien, und es gelang ihm nach einigen Jahren, eigene Tees zu produzieren.

Tee-Experte Lao Jin Jao in Westgeorgien

Zur Verbesserung der Qualität wurde 1893 der chinesische Tee-Experte Lao Jin Jao nach Georgien geholt. Um 1900 hatte der georgische Tee Weltklasse-Qualität erreicht und gewann verschiedenste Auszeichnungen, u.a. die Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung.

In Russland wurde Tee zum Nationalgetränk und als Georgien unter sowjetische Herrschaft kam, wurde die Teeproduktion industrialisiert.

Industrialisierung des georgischen Teeanbaus

Ende der 1920er Jahre wurde das Anaseuli Tee-Institut gegründet, um die Erträge der Teefelder zu steigern und mit neuen Sorten und Anbaumethoden zu experimentieren.

In der gesamten kaukasischen Region (Russland, Georgien und Aserbaidschan) wurde Tee angebaut, wobei Georgien das Zentrum und Hauptproduzent blieb.

Ab den Sechzigern wurde Georgien zum fünftgrößten Teeproduzenten der Welt und deckte über 90% des Teebedarfs der Sowjetunion. Auf dem Höhepunkt gab es etwa 70 tausend Hektar Teeplantagen. Fast 200.000 Menschen arbeiteten in der Teeproduktion.

Die Massenproduktion bedeutete allerdings auch den Verlust der Qualität. Bei der Tee-Ernte wurden Maschinen eingesetzt und die Ernte nur grob sortiert.

Das Ende der georgischen Teeproduktion

Als es nach dem Ende der Sowjetunion zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise kam, brach auch der Absatzmarkt in Russland weg und die Teeplantagen verfielen und verwilderten. Und schließlich zerstörte der Krieg von 1993-1995 in Abchasien, einer wichtigen Tee-Ernteregion im Nordwesten Georgiens, weite Teile der dortigen Infrastruktur. Die verlassenen Teefabriken wurden augeraubt, ihre Maschinen und Geräte häufig als Altmetall ins Ausland verkauft.

Aufgrund der langen Erntepausen überwuchterten die Teefelder und die Rekultivierung ist für einen Landwirt mit normalem Einkommen kaum finanzierbar.

Tee-Landwirtschaft als Teil der kulturellen Identität

In vielen Dörfern war die Teebaukultur ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und Identifikation, ihr Wegfall hat nicht nur wirtschaftliche sondern auch soziale Folgen.

Menschen, die mit der Teeanbautradition aufgewachsen sind, hatten keine Möglichkeit mehr, dieses Wissen weiterzuführen. Die erfahrendsten Teeanbauer gehen als Gastarbeiter in die Türkei, um dort auf Teeplantagen zu arbeiten, weil sie im eigenen Dorf keine Perspektive haben.

Die größte Herausforderung ist es derzeit, das verbliebene Wissen und den Landbesitz zu erhalten.

Teeplantage in Gurien, Georgien
Teeplantage in Gurien © Natura Tea Company

Quelle und weitere Infos: Georgia Today 07/2015 (englisch)

Artikel in Deutschlandfunk über Die georgische Küche

Mehr lesen über Die georgische Tafel | Der georgische Wein & Weinkultur

Georgischen Tee kennen lernen

Georgische Teeplantage auf einer Rundreise besuchen: Rundreise Georgien 14 Tage (inkl. Batumi)

Liste verschiedener Weinshops, die auch georgische Tees im Angebot haben: Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz