Cloisonné Email in Georgien

Das Cloisonné Email ist die edelste aller Emailtechniken

Benvenuto Cellini, Goldschmied 16. Jh.

Bei einem Streifzug durch die Tbilisser Altstadt wird man in vielen Lädchen und Ateliers den kleinen leuchtenden Email-Schmuckstücken begegnen. Zellenschmelzkunst (franz. Cloisonné) heißt das besondere Kunsthandwerk, das in Georgien seit dem frühen Mittelalter bis zur höchsten Vollendung betrieben wurde.

Geschichte des Zellenschmelz Emails

wo man sein Werk und alle Frucht seines Fleißes zuletzt dem Feuer überlassen muss,
das alles wieder verderben kann.

Benvenuto Cellini

Die Emailkunst ist mehr als 3500 Jahre alt. Die ältesten bekannten Funde stammen aus der Zeit um 1420 v. Chr. Sie wurden bei Ausgrabungen in Mykene in Griechenland gefunden. In China wird sie seit dem 13. Jahrhundert angewandt, in Japan seit dem 19. Jahrhundert, bekannt sind vor allem die mit komplizierten Ornamenten gestalteten Vasen.

Bei Zellenemail werden auf eine Platte dünne Drähte aufgelötet und zwischen ihnen verschiedenfarbige Glasflüsse eingelassen. Die Metallstege trennen die einzelnen Farbfelder und verhindern ein Ineinanderlaufen der Farben. Der Rohling wird danach bei ca. 750–800 °C gebrannt, wodurch ein Muster aus farbigem Glas entsteht.

Seine größte Blütezeiten hatte die Kunst des Cloisonné im Europa des Mittelalters und des Jugendstils, sowie in den 1960er Jahren. Heute wird Cloisonné Email selbst in den Goldschmiedeschulen nur noch am Rande gelehrt, da es technisch aufwendig und nur mit hoher arbeitsintensiver, handwerklicher Sorgfalt zu bewältigen ist.

Georgisches Zellenemail

Die frühesten erhalten gebliebenen Beispiele georgischer Meister stammen aus dem 8./9. Jahrhundert und zeichnen sich durch ihren individuellen, malerischen Stil und gewagte Farbzusammenstellungen aus. Die größte Sammlung georgischer Ikonen und Triptychone (dreiflügelige Altarbilder), die teilweise oder vollständig in filigranem Zellenemail ausgeführt sind, kann man im Kunstmuseum Tbilissi bewundern.

Das Triptychon von Chachuli

Besonders prachtvoll ist das Triptychon von Chachuli 8.-9. Jh. und 11.-12. Jahrhundert. Es handelt sich um eine zwei Meter breite Tafel, die ursprünglich vollständig in getriebenem Gold ausgeführt war, mit eingelegten Zellenemailbildern von byzantinischen und georgischen Meistern. Bei Plünderungen wurde das Bild auseinandergenommen und stückweise verkauft, der mittlere Teil ist daher nur fragmentarisch erhalten.

Cloisonné Meister Ermile Magradze

Schmuck in Zellenemailtechnik ist in den letzten Jahren in Georgien wieder sehr populär geworden. Beliebt sind Kreuze, Anhänger, aber auch Ohrringe, Ringe und Colliers, die in farbenprächtiger Vielfalt von jungen Künstlern gefertigt werden.

Der wohl kunstfertigste Meister der georgischen Zellenemailkunst und wahrscheinlich letzte Künstler, der nach altem Verfahren arbeitet, ist Ermile Magradze. Die Besonderheit seiner Email-Arbeiten ist, dass er die Farbpigmente aus echten Edelsteinen gewinnt, die er selbst in Georgien sammelt.

In der Werkstadt von Nino Gozalashvili

Eine junge Schmuckdesignerin ist Nino Gozalishvili. Sie begann ihre Ausbildung zur Emailkünstlerin mit einem Kurs an der Staatsuniversität Tbilissi. Anschließend ging sie für ein Jahr nach Deutschland, um Deutsch zu lernen und kehrte dann nach Georgien zurück. Als eine der wenigen ausgewählten Teilnehmer absolvierte sie die Prägungs-, Juwelier und Zellenschmelzkurse (Cloisonné Emailkurse) der Lazarus-Stiftung vom Patriachat Georgiens.

Ihre Stücke sind Unikate und sehr aufwendig hergestellt. Für kompliziertere Schmuckstücke braucht sie mehrere Tage. Bei einem Besuch in Ninos kleiner Werkstatt kann man von ihr die Besonderheiten und verschiedenen Techniken erklärt bekommen und unter ihrer fachkundigen Leitung in ein eigenes kleines Schmuckstück herstellen.

Zellenemail Kunst auf einer Georgienreise kennen lernen:

Kultur- und Erlebnisreise Georgien 12 Tage