Goldschmiedekunst in Georgien

Goldgetriebene Ikone von Chachuli
Tripyichon von Chachuli, Anfnag 12. Jh.

Der Kaukasus ist von besonderem Interesse in der Untersuchung der Herkunft von Metallen, es ist der östlichste Punkt, von dem prähistorische Funde bekannt sind, älter als Europa und Griechenland, enthält er noch die Spuren jener Zivilisationen, die die Wiege unser eigenen waren.

Jean-Jacques Morgan, Mineningenieur u. Archäologe

Der Goldreichtum von Kolchis wird in der altgriechischen Literatur mehrfach ausdrücklich betont. Antike Historiker wie Plinius, Strabo und Appian weisen auf die Methode der Goldgewinnung durch Waschen von Bach- und Fluss-Sedimenten mit Hilfe von Schaffellen hin.

Das älteste Goldbergwerk der Welt

Die Menschen begnügten sich aber nicht nur mit der Goldgewinnung aus den Bergflüssen. Vor wenigen Jahren entdeckten Wissenschaftler aus Bochum und Tbilissi das bislang älteste Goldbergwerk der Menschheit im Berg von Sakdrissi, nur 50km südwestlich der Hauptstadt Tbilissi.

Bei näherer Untersuchung des alten Bergwerks fand man Steinwerkzeuge, die davon zeugen, dass die Menschen bereits in der Kura-Arax-Kultur, d.h. vor 5.000 Jahren auf hohem technischen Niveau bis zu 70 Meter lange und 25 Meter tiefe Stollen in den Berg getrieben haben.

Dass in der frühen Bronzezeit schon Gold in Stollen abgebaut wurde, überraschte die Wissenschaftler weltweit. Die alten Ägypter begannen erst etwa tausend Jahre später nach Gold zu graben. Ungeklärt bleibt dabei immer noch die Frage, wie die Menschen damals so zielgenau die goldhaltigen Erzadern aufgespürt haben konnten.

Der Goldschatz von Kolchis

Die Goldschmiedekunst Georgiens hat ebenfalls eine Vergangenheit, die weit zurückreicht. Bereits im 6. Jh. v. Chr. fertigte man Kelche, Schmuck und reich verzierte Dolche.

Besonders spektakulär waren die Funde aus der antiken Tempelstadt Wani im kolchischen Kulturgebiet. Hier entdeckten Forscher vor wenigen Jahren kostbare Grabbeigaben. Eine umfangreiche Gruppe des Goldschmucks bilden goldene Schläfenschmuckstücke und Ohrringe, deren Formen für Kolchis kennzeichnend und außerhalb Georgiens unbekannt sind.

Ihr Ringkörper ist vorne mit einer Rosette versehen, von der aus strahlenförmig feine Stäbchen ausgehen, die in Pyramiden oder Dreiecken aus feinstem Granulat enden. Besonders zu erwähnen sei hiervon ein prächtiges Ohrgehänge aus dem 4. Jh. v. Chr. mit der Darstellung zweier Reiter auf einem Wagen. 

Die Präzisionsarbeiten der Granulation sind so fein, dass man sie ohne starkes Vergrößerungsglas kaum erkennen kann.

Der goldene Löwe, 5.000 Jahre alte Goldskulptur

Wesentlich älter und das Prunkstück der Schatzkammer von Tbilissi ist der in Kachetien (Ostgeorgien), ausgegrabene goldene Löwe aus dem dritten Jahrtausend v. Chr., die bislang älteste Skulptur aus Gold, deren Verarbeitungstechnik die Wissenschaftler noch immer vor Rätseln stellt.

Goldschmiedekunst im Mittelalter

Während der georgischen Renaissance zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert unter der Regierung des Königs David dem Erbauer und seiner Enkelin, der Königin Tamar, entfaltete sich auch die Goldschmiedekunst noch einmal zu höchster Blüte. Hier richtete sich das Handwerk besonders auf christliche Kultgegenstände: Treibikonen, Prozessionskreuze und getriebene Buchdeckel für Evangeliare. Vieles wurde im Zuge der Eroberungen geplündert oder zerstört, ein bedeutender Teil konnte jedoch gerettet werden und ist in den Schatzkammern von Mestia und Tbilissi zu bewundern.

Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch einer der einfachen mittelalterlichen Kirchen von Oberswanetien, in denen noch heute wertvollste Treibikonen, Kreuze und andere Kultgegenstände im ganz normalen Gebrauch sind, da die tiefgläubigen Bewohner ihre geweihten Ikonen niemals als Kunstobjekte sehen würden und sich bis heute unter Androhung äußerster Gewalt weigern, diese in fremde Hände zu geben.