Tbilissi (Tiflis)

Blick auf die Altstadt Tbilissi
Blick auf das orientalische Bäderviertel, Foto: Sven Müller

Damals wurde mir der Kaukasus, Georgien, einzelne Menschen, der Alltag der Stadt zur großen Entdeckung. Alles war neu, und alles setzte mich in Erstaunen. Das Leben der armen Leute, aus den Höfen hinausgetragen auf die Gassen, war kühner, nicht so verstohlen wie im Norden; es war bunt, leuchtend, offen.

Boris Pasternak, russischer Schriftsteller über Tbilissi

Eine Reise nach Georgien beginnt in Tbilissi, der "Stadt, die Dich liebt", wie der Slogan an Flughafen verkündet. An Tbilissi kann man sein Herz verlieren. Reisende und Schriftsteller, wie Dumas, Pasternak und Puschkin, waren bei ihrem Besuch in Tbilissi wie berauscht:

Auf Schritt und Tritt entzücke ich vor Faszination!

Alexander Dumas, französischer Schriftsteller, 1858

Tbilissi überrascht durch seine Weiträumigkeit und großzügige Architektur. Kaum eine Stadt hat in der Vergangenheit so viele vollständige Zerstörungen erlitten wie diese, und doch hat die außergewöhnliche Völkervielfalt auch dem modernen Tbilissi noch den Reiz orientalischer Poesie verliehen, gemischt mit der frischen Atmosphäre einer modernen Weltstadt.

Ein Charme, der seine Quelle nicht zuletzt in der Originalität und Stilsicherheit der Georgierinnen hat, deren Eleganz jeden fasziniert. Schon im 19. Jahrhundert trugen die georgischen Damen Pariser Modelle, Tbilisser Schuhgeschäfte waren legendär und selbst in den allerdüstersten Zeiten der Wirtschaftskrise florierten französische, italienische und spanische second-hand Boutiquen.

Tbilissi an der Seidenstraße

Die Kulturmetropole Tbilissi am Schnittpunkt der großen Handelsrouten von Heer- und Seidenstraße war seit jeher Durchgangsort für Reisende und Heimat verschiedenster Völker.

In der Altstadt von Tbilissi erreichen Sie zu Fuß in weniger als fünf Minuten georgisch-orthodoxe, armenisch-gregorianische und römisch-katholische Kirchen, eine Synagoge, eine Moschee und die Überreste eines zoroastischen Tempels. In keiner anderen Stadt der Welt ist diese Symbiose in unmittelbarer Nachbarschaft auf so kleinem Raum zu finden.

Tbilissi und Europa

Bereits im 4. Jahrhundert taucht Tbilissi auf einer römischen Karte auf, sie lag an der Kreuzung wichtiger Karawanenrouten der Heer- und Seidenstraße, die vom Schwarzen Meer nach Persien, Indien und China führten. Schon in der Antike war diese Route von Trapesunt über Georgien und Aserbaidschan nach China bekannt.

In Georgien gibt es eine wundervolle Stadt namens Tipilissi, eingerahmt von Vorsiedlungen und Wehranlagen.

Marco Polo, venezianischer Entdecker und Weltreisender

Die gewaltige Festung Narikala über Tbilissi, die man noch heute besichtigen kann entstand im 4. Jahrhundert unter persischer Herrschaft.

Stadtgründung im 5. Jahrhundert

Im 5. Jahrhundert wurde der strategisch ausgezeichnet gelegene Stützpunkt von König Wachtang I. Gorgassali zur Hauptstadt erklärt und entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten am Schnittpunkt von sieben europäisch-asiatischen Handelsrouten zu einer der blühendsten und reichsten Städte des Mittelalters.

In den Jahren zwischen 627 und 1795 wurde Tbilissi in mehr als 40 Überfällen der Perser, Mongolen, Choresmier und Osmanen immer wieder vollständig zerstört und niedergebrannt, so dass heute außer einigen wenigen Kirchenbauten kaum mehr Reste aus diesen Zeiten zu sehen sind.

Kulturzentrum Tbilissi im 19. und 20. Jahrhundert

Tbilissi war kulturelles Zentrum des gesamten Kaukasus mit engen Verbindungen zu Venedig, Paris und Sankt Petersburg. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatte Tbilissi sich den Ruf erhalten, eine der vornehmsten Städte im persischen und südkaukasischen Raum zu sein. 

Das orientalische Bäderviertel

"Tbilissi" bedeutet "Ort der warmen Quellen" aus dem georgischen Wort "tbili" (warm). Der Legende nach verdankt die Hauptstadt ihre Verlegung von Mzcheta nach Tbilissi durch Wachtang Gorgassali einer Jagdbegebenheit:

Mit seinem Lieblingsfalken verfolgte der König in den umliegenden Wäldern einen Fasan. Er verlor die beiden aus den Augen und bis sein Hund sie wieder aufgespürt hatte, waren die Vögel in eine der heißen Quellen gestürzt und bei seiner Ankunft gar gekocht.

Gründungslegende

Die heißen Schwefelquellen wurden schon früh genutzt und ermöglichten Bewohnern und Besuchern einen angenehmen Lebensstil. Tbilissi war berühmt für seine luxuriösen Badehäuser.

Niemals, weder in Russland noch der Türkei, begegnete ich solcher Pracht wie in den Badehäusern von Tiflis!

Alexander PUSCHKIN, 1829

Jugendstil und Holzbalkone

In der Tbilisser Altstadt verführen den Besucher zahllose winkelige Gassen mit Jugendstilbauten Tür an Tür, prächtige Treppenaufgänge, kunstvolle Schmiedearbeiten der Geländer, entzückende Balkone und Balustraden in unglaublicher Gestaltungsvielfalt.

Nach Jahrzehnten der kommunistischen Regierung und wirtschaftlichen Krise, sind die Bauten der Jahrhundertwende bis auf wenige Ausnahmen nicht restauriert und befinden sich daher vielfach im Originalzustand. Ein Paradies für Fotografen und Liebhaber.

Malerische Winkel. Die Eisengitter vor den Fenstern der Bel-Etagen geschweift wie Leiern. Der Abend einer südlichen Stadt zieht herauf, Sterne, Duft aus Gärten, Konditoreien und Cafés.

Boris Pasternak, russischer Dichter

Moderne Architektur in Tbilissi

Jüngste architektonischen Kompositionen der italienischen Architekten Michel De Lucchi, Massimiliano u. Doriana Fuksas und französischen Designers Philippe Martinaud in Verwendung modernster Technik von gebogenem Glas und kabelloser LED-Illuminationen, repräsentieren nachdrücklich Tbilissis Forderung nach Gegenwart und Progressivität.

Die Wucht kommunistischer Monumentalbauten mildern großzügige Fensterfronten, das Innenministerium und der Präsidentenpalast von Tbilissi zeigen Transparenz und über den Mtkwari Fluss schwingt sich glitzernd provokant zwischen Old Tiflis und Neu Tbilissi die extravagante "Brücke des Friedens".

Ich wollte den Menschen symbolisieren, durch das, was ihn organisch und physisch repräsentiert: die chemischen Elemente des menschlichen Körpers. Diese Botschaft ehrt das Leben und den Frieden zwischen den einzelnen Menschen.

Philippe Martinaud, französischer Architekt und Lichtdesigner über sein Lichtspiel auf der Friedensbrücke