Megalithen in Georgien

Megalithfestung Abuli in der südgeorgischen Provinz Niederkartlien © Katrin Tevdorashvili

Der Kaukasus ist der äußerste Nordteil der anatolischen Welt. Dieser schmale Endstrich zwischen zwei Meeren ist die Brücke und kulturelle Verbindungsstrecke von Europa und Asien. Die außerordentliche Lage verursachte es, dass der Kaukasus im Altertum ein Begegnungsort verschiedener Zivilisationen und Kulturvölker und zugleich ein Wanderungsgebiet der Steppennomaden war. Deshalb dürfte die wichtigste Aufgabe der Alterturmsforschung in Kaukasien die Erkenntnis und Deutung von Akkulturation und Beziehungen zu den Nachbarländern sein.

Prof. Dr. Paata Bukhrashvili, Ilia Staatliche Universität, 2015

Georgien und Armenien sind die beiden ältesten christlichen Länder der Welt, bereits Anfang des 4. Jahrhunderts war das Christentum in Georgien Staatsreligion, das Christentum ist eine der wichtigsten Säulen georgischer Identität. Und doch finden sich zahlreiche Einflüsse vorchristlichen kultischen Lebens in georgischen Traditionen, Tänzen, polyphonen Liedern zu Wetter- und Sonnengottheiten sowie in Lokation und Architektur frühmittelalterlicher Kirchen und Klöster.

Besonders spannend sind die Ruinen zahlreicher megalithischer Bauwerke in Südostgeorgien, aus großen, oft unbearbeiteten oder kaum behauenen Steinen ohne Bindemittel.

Megalithkultur in Europa

Megalithische Bauwerke waren im Mittelmeerraum weit verbreitet und werden unterschiedlich benannt. In Griechenland kennt man Festungen, die in megalithischer Bauweise errichtet sind, aus der zweiten Hälfte des 2. Jts. v. Chr., zumeist an jenen Orten, die schon vor dem Trojanischen Krieg bestanden haben.

Megalithsiedlungen in Georgien

Berühmte Megalithsiedlungen in Georgien sind die Festungen Saro, Abuli, Schaori, Awranlo und Mamulo.

Zyklopenmauerwerk

Als Zyklopenmauerwerk oder Polygonalmauerwerk bezeichnet man Mauern aus nicht rechteckigen Steinen in einem nicht gradlinigem Mauergefüge ohne Bindemittel. Viele dieser Mauern sind aus teilweise enorm großen Steinblöcken erreichtet, was die Menschen zur Vorstellung inspirierte, zyklopenartige, also riesenhafte Wesen hätten diese Mauern erbaut. Diese These wird aktuell von verschiedensten Wissenschaftlern vertreten.

Die Zyklopen-Technik war seit der Jungsteinzeit im Mittelmeerraum und in West- und Nordeuropa (dort als Megalithbauweise) verbreitet. Auch in der späten Bronzezeit war diese Mauerwerkstechnik im östlichen Mittelmeerraum verbreitet, wobei meist sehr große Steine und kein Mörtel verwendet wurden.

Zyklopenmauerwerk in Mitteleuropa

Die Technik des Zyklopenmauerwerks wurde von den Griechen, den Etruskern und anderen vorrömischen Völkern in Italien und im kleinasiatischen Hethiterreich und dessen Nachfolgestaaten bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. angewandt. Die besterhaltenen und bekanntesten Mauern sind in Mykene (Griechenland) zu finden. Auch die chinesische Mauer wurde in Teilen in dieser Bauweise errichtet außerdem findet man diese Bauweise auf Malta, Korsika, in Peru (Inkas), in Ägypten und auf der Osterinsel.

Zyklopenmauerwerk in Georgien

In Georgien gibt es einige erhalten gebliebenen Mauern in Zyklopen-Bauweise. Die megalithischen Festungen Saro, Abuli, Schaori und Mamulo in Südgeorgien enthalten Steine aus Tuffstein von einer Länge bis zu 3-4 Metern. Es gibt sogar mittelalterliche Kirchen, wie die Kirche von Tedschissi (8. Jh.) in dieser Bauweise. Die Steine sind teilweise so präzise ineinandergefügt, als wären sie mit dem Laser geschnitten.

Steinkreise in Georgien

Im Umkreis des Dörfchens Tedschissi in der Zalka Region befinden sich drei Steinkreise. Der erste direkt am Ortseingang umschließt eine christliche Kirche aus dem 8. Jahrhundert. Der zweite befindet sich etwas oberhalb des Dorfes auf einem natürlichen Plateau und ist komplett geschlossen. Seine Eingänge sind nach den Sonnenauf- und -untergängen der Winter- bzw. Sommersonnenwende ausgerichtet. Und nicht weit entfernt befindet sich noch ein dritter Steinkreis.

Menhire

Menhire sind einzeln aufgerichtete Steine, deren Bedeutung nicht eindeutig geklärt ist. Sie können als Markierungen gedient haben, zur Demonstration besonderer Stärke eines Stammesfürsten oder aber auch zu kultischen Zwecken. Für letztere Deutung spricht die Tatsache, dass sich Menhire oft an sogenannten Kraftplätzen, Orten mit besonders starker magnetischer Strahlung befinden.

Menhire in Georgien

In Georgien finden sich unzählige Menhire, teils mitten in unwegsamen Gelände, umgestürzt auf einem Feld, manchmal aber auch in Kirchen anstelle eines Altars. Besonders bemerkenswert ist der Menhir von Tedschissi, ein 4 Meter hoher Menhir mit eigenem Magnetfeld.

Grabsteine

In Georgien gab es lange die Tradition, steinerne Grabskupturen oder steinerne Grabplatten mit Darstellungen aus dem Leben des Verstorbenen zu errichten. Im Umkreis alter Kirchen finden sich noch heute zahlreiche solcher Grabplatten, auch wenn die meisten schon ziemlich verwittert sind. Häufige Darstellungen waren z.B. Schafe, Pferde, Personen in traditioneller Tracht und Waffen (Schwerter und Dolche).